Schamanismus – eine Einführung

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Ring the bells that still can ring
Forget your perfect offering
There is a crack in everything
That’s how the light gets in.“

(Anthem /Leonhard Cohen)

1.1 Schamanismus

Die Ursprünge des Wort „Schamanismus“ bzw. „Schamane“ sind ungeklärt. Manche Quellen behaupten, dass es sich aus dem Sanskrit (sramana) herleitet und Mönch bedeutet.

Viel wahrscheinlicher stammt das Wort aus dem tungusischen (Sibirien, Mongolei). „Sha“ wird mit Wissen übersetzt. Ein „saman“ ist ein Wissender. Im Chinesischen heißt „chong-man“: „erfüllt sein von“.

Der Schamanismus ist die älteste Form des Glaubens. In der Höhle von Lascaux zeugen 20 000 Jahre alte Tierdarstellungen von Jagdszenen, wie auch Totemverehrung. Ein Totem bezeichnet ein oder mehrere Geistwesen in Form von Tier- oder Pflanzengestalt, das jeden Menschen als Schutz und Helfer begleitet. Der Schamanismus ist keine Religion. Es gibt Erfahrungswerte und Rituale, aber keine festgelegten Regeln oder nur solche, die im ständigen Wandel begriffen sind.

Andere geläufige Bezeichnungen für den Schamanen sind Medizinmann, Zauberer oder Hexe. In den meisten Fällen ist er oder sie ein verwundeter Heiler. Verwundeter Heiler bedeutet, dass die tiefsten Verwundungen und verborgenen Schattenanteile gleichzeitig Hüter des Lichts sind. Daran können wir zerbrechen und Andere mit ins Verderben reißen. Wenn wir sie aber integrieren und stetig daran wachsen, wandeln wir dieses Gift in Medizin. Für uns, wie die Welt, die uns umgibt. The crack is where the light gets in.

In dieser mündlich überlieferten Tradition wird das Wissen in der Familie bzw. von Lehrer zu Schüler direkt weitergegeben. Am meisten jedoch lernt ein (angehender) Schamane von der Natur, dem täglichen Leben und der „anderen Welt“, wie beispielsweise die Kelten die nicht-physischen Existenzebenen bezeichnen. Wurden und werden im Patriarchat religiöse Ämter fast ausschließlich von Männern besetzt, war der Schamanismus durch alle Epochen meist „emanzipiert“ (Im keltischen Schamanismus, sowie bei den Machi Schamaninen Südamerikas gilt beispielsweise Homosexualität als mögliche Grundlage, ein Schamane zu sein, da man als solcher zwischen den Welten wandert).

Ebenso häufig wie die „Vererbung“ ist, dass ein Mensch in außergewöhnliche Zustände gerät, die durch schwere Krankheiten oder tragische Erlebnisse hervorgerufen werden und dadurch zum Schamanen berufen wird. In diesem Zwischenreich öffnet sich der Zugang zu der „anderen Welt“. Astrologisch würde man diese Ereignisse als plutonisch und den damit einhergehenden Prozess als neptunisch bezeichnen. Das ist für mich deswegen erwähnenswert, weil speziell die äußeren Planeten in unserem Sonnensystem, wie Saturn, Uranus, Neptun oder Pluto (er darf ja seit Neuestem wieder unter den Planeten mitmischen) in der Astrologie sehr doppeldeutig sind. Pluto ist vereinfacht der Planet der Macht, Ekstase und Magie, aber auch der Planet der Manipulation, Unterdrückung und Zerstörung. Neptun ist der Herrscher über Kreativität, selbstlose Liebe und Transzendenz, aber ebenso über Illusionen, Sucht und Wahn.

Ein Schamane hat meist eine stark neptunisch-plutonische Persönlichkeit. Er wandelt nicht nur zwischen den Welten. Er läuft auf einem schmalen Grad zwischen Wahrheit und Wahn, Transzendenz und Irrsinn, dienender Autorität und manipulativer Dominanz.

Schamanen sind nicht vor Versuchungen gefeit. Im Gegenteil. Das „spirituelle Ego“, dass die eigenen Fähigkeiten erhöht, andere herabsetzt und die eigenen Erkenntnisse zum Quell absoluter Wahrheit erklärt, ist eine Gefahr, denen viele Esoteriker, Heiler oder Schamanen zum Opfer fallen.

Dort, wo unsere Seele am Schlimmsten verwundet wurde, liegen, wie bereits erwähnt, unsere Herausforderungen, aber auch unser größtes Potential. Wer seine Ohnmacht kennt, weiß um seine Macht siehe Artikel Spielball/ Schöpfer. In alten Sagen wird dieser Schatz oftmals von einem Drachen bewacht. Der Drache repräsentiert unsere Verbindung zu einer archetypischen Instinktnatur, die allem Lebendigen innewohnt. Sie lässt sich weder täuschen, noch manipulieren. Der Drache hütet unseren individuellen Schatz, wie auch die allgemeingültigen, dem Leben innewohnenden Gesetze:

– Leben ist heilig und will immer nur eins: Leben.

– Alles ist mit Allem verbunden.

– Die Balance will gewahrt sein (von Zuviel und Zuwenig, Geben und Nehmen, Dominanz

und Annahme, weiblich und männlich…).

– Alles ist im Wandel.

– Energie geht nie verloren – sie kann nur transformiert werden.

– Alles für das menschliche Auge Sichtbare hat eine transzendente Realität.

Verletzen oder missachten wir diese Gesetze über einen längeren Zeitraum, sind wir abgetrennt von einer Urkraft, die uns mit unserer persönlichen sowie der kollektiven Magie des Lebens verknüpft. Wir können den Schatz nicht heben und sind wie ein Obstbaum, der keine Früchte trägt. Unsere abgekoppelte Instinktnatur entwickelt ein gefährliches Eigenleben, für uns, wie auch für Alles, was uns umgibt  siehe auch Flüche und Besetzungen. Ein Beispiel dafür ist unsere auf Profitmaximierung ausgerichtete Konsum- Gesellschaft, in der Quantität mehr zählt als Qualität und die Konsequenzen für unseren Planeten und dessen Bewohner konstant missachtet wird. Die archaischen Drachenfeuer drohen uns zu verbrennen.

Auch im Persönlichen wählen wir jeden Moment den Weg, den wir beschreiten. Der Schatz, der unsere Wunde ist, ist Geschenk und Aufgabe zugleich.

Ein Schamane hört daher niemals auf, Schüler zu sein: Zum einen, weil ihm die Natur, die geistige Welt und sein alltägliches Leben permanent neue Lektionen erteilen; zum anderen, weil er sich jeden Tag des Schatzes, den er trägt, als würdig erweisen muss. Nicht umsonst beten die Machi  jeden Morgen um Vergebung für alle unbewussten Gedanken, Gefühle, Worte und Taten. Ein Schamane wandelt einen machtvollen Pfad. Lernt er nicht zu balancieren, ist er verloren.

Wie diese Balance u.a. hergestellt wird, findet man bereits in den alten Traditionen, zum Beispiel in der sogenannten Zerstückelung des Egos. Auf einer schamanischen Reise wird das Ego von geistigen Helfern zerstört, um neu zusammengesetzt zu werden. Wenn wir unsere Bedürfnisse und unsere Persona (wie wir uns der Welt präsentieren) immer wieder loslassen können, besteht eher die Möglichkeit, uns selbst frei und immer wieder neu zu entfalten. Sind wir in unserem Ego oder unserer Persona gefangen, können wir nicht mehr offen interagieren. Dazu tendieren wir speziell in Momenten der Verunsicherung, meist hervorgerufen durch Krisen, Herausforderungen oder Veränderungen. Alles, was uns Angst macht, erzeugt eine Erstarrung im Ego.

Mit dem Ego ist es wie mit den Zyklen des Atems. Einatmen, ausatmen, wahrnehmen, loslassen. Man braucht das Ego zum Leben und gibt es im Idealfall ebenso an ein größeres Ganzes ab. Die oft zitierte Egolosigkeit erscheint mir jedoch ein zweifelhaftes und mitunter gefährliches Konstrukt. Bedürfnisse zu verschleiern, zu leugnen oder zu verdrängen ist eher eine Sackgasse als ein Weg.

Ein weiterer wichtiger Stützpfeiler der Balance eines spirituell Praktizierenden ist die Erdung siehe auch Artikel „Flüche und Besetzungen. Bei vielen Urvölkern ist der Schamane immer auch einer gewöhnlichen Beschäftigung nachgegangen und war in seine Familie eingebettet. Der Ausgleich zwischen geistiger Welt und irdischem Leben.

Ein Schamane braucht für seine Arbeit einen oder mehrere Begleiter. Es muss Jemanden geben, der zu gewissen Zeiten den Raum hält und der den Schamanen zur Not zurückholen kann bzw. ihn oder sie auf Irrwege hinweist.

Laut Michael Harner, dem bekannten Ethnologen und Begründer des sogenannten Core-Schamanismus, gibt es interessanterweise überall auf der Welt ähnliche Erkennungsmerkmale in den sonst so unterschiedlichen schamanischen Traditionen. Es existiert in jeder von ihm untersuchten Kultur eine obere, untere und mittlere Welt. Die obere und untere Welt sind überwiegend nicht-physische Realitäten mit unterschiedlichen Merkmalen (Ordnung und Chaos, Harmonie und Wildheit, um nur ein paar Stichworte zu geben). Die mittlere Welt ist diejenige, in der wir unser alltägliches Leben meistern. Alle drei Welten werden durch den Weltenbaum (Yggdrasil) zusammengehalten. In jeder von ihnen ist die Natur von wohlwollenden und gefährlichen Geistern bewohnt. Jeder Mensch hat mindestens ein Krafttier, das einen beschützt und dessen Eigenschaften die eigenen Qualitäten symbolisiert. Auf der Trommel „reitet“ der Schamane in andere Welten, um zwischen dem Mensch und den Welten zu vermitteln. Die drei Welten und vier Himmelsrichtungen mit den dazugehörigen Elementen Luft, Erde, Feuer und Wasser werden gerufen und sind Teil jeden Rituals.

Michael Harner hat es immer vermieden, seinen Schülern schamanische Reisen in „unserer“ mittleren Welt zu lehren, da er fürchtete, seine Schüler könnten diese Gaben missbrauchen. Die Realität in der wir leben, ist ein magischer Ort, in der sich Geist und Materie vereint. Daher entehren manche Schamanen ihre Fähigkeiten, indem sie sich beispielsweise gegenseitig bekriegen. Dazu nutzen sie gerne die Geister der mittleren Welt. Man sollte sich keine Illusionen darüber machen, dass Machtmissbrauch allein in kirchlichen Institutionen stattfindet. Wie überall bestimmt nicht die Form des Glaubens die Qualität der Aktivität, sondern die Intentionen der jeweiligen Person.

Werden schamanische Kulturen von vielen als Humbug belächelt, so werden sie von ebenso vielen verklärt.

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2.1 Die Wirkkraft der Einstellung

-Intention

-Integrität

-Im Moment

Um ein echter Schamane zu sein, müssen sicherlich viele Faktoren zusammenkommen. Es braucht den inneren Ruf, viel Erfahrung und oftmals schmerzvolle Lehrjahre.

Letzten Endes ist es nicht wichtig, ob jemand ein machtvoller Schamane ist oder „nur“ ein liebevoller Mitmensch. Die Natur bewertet nicht. Was aber in meinen Augen für jeden essentiell ist, sind die drei I’s:

2.1.1 Intention

Man kann die außergewöhnlichsten Fähigkeiten besitzen und wie auch immer geweihte Instrumente zur Verfügung haben – ist unsere Intention nicht klar, können wir kaum etwas bewirken. Andererseits können wir uns in Umständen befinden, in denen wir nichts weiter als unsere Intention haben und erhebliche Transformationen erreichen. Oder wie die angesehene Medizinfrau, Luz Clara aus Chile sagt: „It’s the intention, that heals.“

2.1.2 Integrität

Integrität ist die Basis unserer Intention. Oft genug hört man den Ausdruck: „Alles ist mit allem verbunden“. Es ist richtig, dass wir uns als Menschen daran erinnern müssen. Was wir dazu allerdings am meisten brauchen, damit es nicht bei einem Lippenbekenntnis bleibt, ist Achtsamkeit und Integrität. Wenn wir z.B. an einer anderen Person ungefragt arbeiten, ist unsere Intention respektlos und daher nicht integer. Integrität wahrt unsere Grenzen, genauso wie die Grenzen des Anderen. Integrität ist als Ausdruck eines reinen Herzens stark, sanft, mitfühlend und nicht bewertend. Integrität ist auf ausbalancierten Energieaustausch (Geld, Ressourcen etc.) bedacht. Integrität ist ohne Wahrhaftigkeit und Fairness nicht möglich. Sie tariert aus zwischen den eigenen Bedürfnissen und denen des DU. Integrität ist mit allen Impulsen des Lebens verwoben.

2.1.3 Im Moment

Ein Schamane sollte bereit sein, spontan auf die Anreize des Lebens zu reagieren. Thich Nhat Hanh nennt es die Achtsamkeit, der im Buddhismus eine zentrale Rolle zukommt. Das größte Geschenk, das wir jemandem machen können, ist ganz da zu sein, in diesem Moment, mit allen Sinnen. Als Carl Gustav Jung am Ende seines Lebens gefragt wurde, was das heilsame an einer psychotherapeutischen Behandlung sei, antwortete er: „Wissen Sie, wichtiger als die Methode ist die Tatsache, dass jemand uns die Hand reicht und einfach da ist.“

Es gibt unendliche literarische und philosophische Abhandlungen über das Wesen der Liebe. Für mich sind es im Wesentlichen diese drei Komponenten: Intention, Integrität und Achtsamkeit Im Moment. Damit lässt sich die Antwort auf die Frage, womit ein integrer(!) Schamane heilt, in einem Wort zusammenfassen: Liebe.

3.1. Der moderne Schamanismus

Everyone, who consciously connects is a shaman to me“ – Marcela Lobos

Den modernen Schamanismus könnte man grob in drei Bereiche einteilen:

-Schamanismus im Alltag

– alte Kulturen, die sich öffnen und geheimes Wissen offenbaren

– Mixturen aus Alt und Neu.

3.1.1 Schamanismus im Alltag

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Manch einer mag sich vielleicht jetzt fragen, warum so Einiges, was hier beschrieben wurde, nur auf Schamanen zutreffen soll. Laut der Schamanin Marcela Lobos, ist jeder, der sich bewusst mit der Welt verbindet, ein Schamane. Oder um die Gesetze des Lebens aufzugreifen: Einer, der alles Lebendige achtet und ehrt. Einer, der anerkennt, dass das Leben am Ende immer nur eines will: leben. Einer, der bewusst wahrnimmt, dass alles mit allem verbunden ist. Der die Wurzeln unter dem Asphalt spürt und den Gesängen der Elemente lauscht. Einer, der auf die Balance achtet und in Liebe handelt. Eingebettet in den ewigen Wandel und die transzendenten Aspekte des Alltags. Niemand ist in jedem Augenblick in diesem Zustand. In diesen Momenten jedoch leben wir den Schamanen in uns.

Man muss keine Klienten haben, um Heilung und Transformation zu bewirken. Haben wir die Berufung, dies zu tun, wird uns die geistige Welt früher oder später dahin führen. Es braucht die Schamanen, die als Heiler arbeiten -die Zukunft der Menschheit hängt jedoch von jedem Einzelnen ab und inwieweit wir alle nach Bewusstheit streben und Bewusstheit leben. Dafür brauchen wir nicht zu rasseln oder zu trommeln. Wir brauchen nicht in die Kirche zu gehen oder uns nach Mekka zu verneigen. Wir können dies tun – aber am Ende zählt allein unsere Integrität, unsere Intention und wie achtsam wir im Moment sind.

3.1.2 Altes schamanisches Wissen

Einige schamanische Traditionen haben begonnen, ihre Lehren im Zuge der Jahrtausendwende zu öffnen. Sie folgen damit gewissen Prophezeiungen und Beschlüssen ihrer Stammesältesten, um unsere Welt vor dem Untergang zu bewahren. Schamanen, südamerikanische Curanderas und Druiden geben große Teile ihr Wissens preis, damit wir uns als Menschheit weiterentwickeln. Sie nennen es die Zeit, in der der Adler (die Nordhalbkugel) mit dem Kondor (Südhalbkugel) fliegt. Nicht alles ist dabei Gold, was glänzt. Damit einhergehend fand ein wahrer Ethno-Tourismus statt, mit zum Teil lebensgefährlichen Folgen. Unerfahrene starben durch leichtsinnigen Ayahuasca-Konsum im Dschungel. Scharlatane trieben ihre Klienten in unverantwortlichen Schwitzhütten-Zeremonien in den Tod. Meist handelt es sich bei den Ausführenden nicht um indigene Schamanen, sondern um westliche Instant-Schamanen, die eine zweifelhafte Mixtur aus modernem Wissen und alten Ritualen lehren, die sie wahllos zusammenrühren ohne deren Wirkung oder Hintergründe zu kennen oder gar erfasst zu haben.

3.1.3 Die Mixtur

Nicht jeder, der solch eine Mischung aus alt und neu lehrt, ist ein gefährlicher Scharlatan. Viel eher sollte man annehmen, dass Weisheit, Magie und Wissen ähnlich konstante Veränderungen durchlaufen, wie das Leben selbst. Viele große Heiler mischen alte Tradition mit neuen Erkenntnissen der Psychologie und Medizin. Wie Luz Clara es sagt: Es ist die Intention, die heilt. Und wie man wohl hinzufügen müsste, die integre Intention, die letztendlich darüber entscheidet, ob Segen oder Unheil geschieht. Es ist jedoch keineswegs leicht, einen echten Heiler von einem Möchtegern zu unterscheiden.

4.1 Scharlatan oder Schamane?

Viele Quacksalber haben sich den Hunger unserer westlichen Welt nach Sinngebung zu Nutze gemacht, um daraus Profit zu schlagen und damit Menschen geschadet. Die Tatsache, dass diese Scharlatane manipulieren, fanatisieren und ausbeuten, ist leider nichts Neues.

Wenn wir so jemandem gutgläubig folgen, glauben wir, das Licht zu suchen. In Realität wird unsere unbeachtete, innere Dunkelheit von dieser Dunkelheit angezogen und findet Drama, Suchtstrukturen oder/ und finanziellen Bankrott.

Wie können wir also zwischen einem bedenklichen Quacksalber und einem echten Schamanen unterscheiden?

Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, zumal sich viele irgendwo dazwischen bewegen. Es ist also vielleicht mehr eine Frage zu welchem Prozentanteil Jemand „reine“ Arbeit macht und zu welchem eher nicht. Ich möchte an dieser Stelle dennoch ein paar Hinweise geben, die hoffentlich hilfreich sind, die für sich selbst richtige Entscheidung zu treffen:

-die Tatsache, dass jemand indigene Vorfahren hat, sagt noch nichts darüber aus, ob er oder sie auch Schamane ist.

-die Tatsache, dass Jemand behauptet, bei Schamanen gelernt zu haben, bedeutet noch nicht, ein Schamane zu sein. Lernen heißt leider nicht zwangsläufig auch Können.

-die Tatsache, dass Jemand behauptet, erleuchtet oder sonstwie mit außergewöhnlichen Gaben gesegnet zu sein, heißt noch nicht, dass dies der Wahrheit entspricht.

-Sollte Jemand mit diesen echten Gaben gesegnet sein, heißt es noch nicht, dass er oder sie diese mit Integrität zum Wohle alles Lebendigen praktiziert.

-Vorsicht vor „dem“ Weg, „dem“ Heiler oder „der“ Methode. Ausschließlichkeit ist der

Natur fremd. Nicht aber den dunklen Mächten.

-Vorsicht vor Lichtarbeitern, die „das Böse“ negieren. Mit wem man nicht an der Haustür verhandelt, der kommt gerne durch die Hintertür. Oder wie es im englischen heißt:

What you resist, persists.“

-Wird man genötigt, sich gegen seine Bereitschaft zu irgendetwas zu „überwinden“, sollte man ernsthaft bezweifeln, ob es sich um einen guten Lehrer oder Heiler handelt. Die eigene Souveränität ist heilig. Ermutigung, Kritik und Anstöße können wirkliche Fortschritte mit sich bringen. Nötigung hingegen ist ein Akt der Gewalt.

-Vorsicht vor Lehrern oder Heilern, die immer eine Antwort wissen und kritische Nachfragen des Klienten problematisieren. Wir neigen alle dazu, unsere Schatten auf Therapeuten/ Andere zu projizieren. Ein vertrauenswürdiger Schamane ist sich jedoch auch seiner Fehlbarkeit bewusst.

-Wird man mehrfach dazu animiert, endlose Folgekurse oder Sitzungen zu besuchen, um dann erst heilen zu können, ist Skepsis geboten. Ein verantwortungsvoller Heiler gib Empfehlungen, überlässt den Weg mit dem dazugehörigen „wie oft“ und „wie viel“ seinem Klienten.

-Ein echter Heiler gibt sein Wissen und seine Kunst, um den Klienten zu befreien, nicht um ihn zu binden. Vorsicht vor zu viel persönlicher oder gruppenorientierter Anbindung. Das riecht förmlich nach energiehungerndem Vampirismus und Abhängigkeitsstrukturen. Ein integrer Lehrer / Schamane ermutigt vielmehr, eigenständig zu wachsen, statt zwangsläufig (!) auf die Unterstützung des Therapeuten (oder der Gruppe) angewiesen zu sein.

-Mag die geistige Heilarbeit, der man sich unterzieht, noch so verrückt klingen, das Gute ist, dass es um Ergebnisse im Hier und Jetzt geht. Früher oder später muss sich etwas bewegen. Erfordert es noch so viel Geduld, sind die Schritte noch so klein. Ändert sich absolut nichts, sollte der Heiler gewechselt werden. Manchmal stimmt die Methode nicht. Manchmal der Zeitpunkt. Nicht immer ist der Schamane deswegen unzulänglich. Manchmal ist einfach nur die zwischenmenschliche Chemie nicht förderlich.

-Ein Schamane nutzt seine Fähigkeiten, um zu dienen. Für seinen Aufwand muss er entlohnt werden. Es geht dabei um einen energetischen Ausgleich. Werden dafür jedoch Unsummen verlangt, handelt es sich, wie überall, um Geldmacherei. Die heilige Balance des Lebens wird missachtet. Der jeweilige Schamane oder Lehrer mag Fähigkeiten besitzen, aber in diesem Falle missbraucht er sie.

 

Letzten Endes ist wirkungsvolle schamanische Arbeit zielgerichtet. Überwiegend geht es dabei um die materielle, alltägliche Realität, die uns umgibt. Ursprünglich sind Schamanen auf Seelenreise gegangen, um die nächstweidende Büffelherde zu finden oder den geeignetsten Platz zum Überwintern.

Kein whoowhooschmuhschmuh.rasselrassel.dingdong. Es ging um das Überleben des Stammes. Der Weg, durch solche „Reisen“ oder ähnliches, etwas in dieser Realität zu verändern oder zu optimieren, mag durchaus irrwitzig anmuten. Wichtig ist, dass sich etwas bewegt und dass sich diese Bewegung stimmig anfühlt. Wie meinte ein Wiener Schamane so trefflich: „Bitte immer den Hausverstand mit einschalten.“ Zwischen „Wer heilt hat Recht“(Hippokrates) und „zuviel Wahnsinn ist eben des Wahnsinns zu viel“ wandelt der Wissende oder auch Schamane.

 

5. Meine persönliche Erfahrung mit Schamanismus

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Seit fast 20 Jahren beschäftige ich mich mit Schamanismus. Angefangen hat es mit einem Fantasyroman, die ich normalerweise nicht lese, aber den mir meine damals beste Freundin vermacht hatte, die nach Amerika ging. Ich vermisste sie sehr und vielleicht war das Buch eine Form , ihr nahe sein zu können. Dort las ich zum ersten Mal von Krafttieren und ich hatte sofort meins vor meinem inneren Auge. Jahre später bin ich eher zufällig zu einer Schamanin gegangen.Sie wurde mir empfohlen, ohne, dass ich wusste, wie sie arbeitet. Sie „holte“ mir mein Krafttier (es ist immer schon da, man könnte das eher als eine bewusste Beziehung herstellen bezeichnen). Es war exakt das Tier, dass ich schon damals um mich gesehen hatte. Das hat mich neugierig gemacht auf mehr.

In all den Jahren habe ich viele unterschiedliche Traditionen, Mythologien und Methoden kennengelernt. Tiefer eingetaucht bin ich in den sibirischen, keltischen und südamerikanischen Schamanismus (Mexico, Peru, Chile).

Dabei habe ich viele fähige und ein paar durchaus zweifelhafte Lehrer getroffen. Ich bin Menschen begegnet, die durch Rituale oder Heilsitzungen dramatische Spontanheilungen erfahren haben. Dazu gehöre ich (bisher) nicht. Ich kann hier weder von drastischen Erlebnissen, noch von Wundern berichten. Was ich in spiritueller Arbeit erlebt habe, könnte jeder Skeptiker als Zufall oder Einbildung einstufen, wobei das Skeptikern durchaus immer gelingt, egal was man erzählt.

Ich kann behaupten, dass ich mich in dieser Zeit sehr gewandelt habe und definitiv mehr, als ich es ohne spirituelle Hilfe hätte tun können. Allein die Auflösung meiner Flüche hat einen sichtbaren und fühlbaren Wandel erwirkt, den ich in vielen Lebensbereichen sehe und spüre. Ich bin allerdings immer noch dabei, mich von diesem Albtraum zu erholen. Ich weiß, wie es sich anfühlt. Das muss man wohl, um diese Arbeit tun zu können.

Was mich auch in Zeiten des Zweifelns (das gehört bei mir dazu) immer wieder dazu bewogen hat weiterzumachen, war meine Sehnsucht nach einer tiefen Verbundenheit mit allem Lebendigen. Einer Verbundenheit, die die Grenzen des Sichtbaren und Erklärbaren hinter sich lässt und in Einheit verschmilzt. Viele finden diese Einheit in den traditionellen Religionen. Für mich ist der Schamanismus mein Zuhause. Zum einen, weil er so gut wie keine festen Regeln hat und letzten Endes nur die Magie des Augenblicks zählt. Zum anderen, weil es eine sinnliche spirituelle Erfahrung ist. Das Pulsieren der Trommel, das Summen, Schreien, Stöhnen und Singen, das Räuchern und Tanzen. Schamanismus ist für mich sinnliche Fülle und transzendente Leere in Einem.

Ich praktiziere regelmäßig und würde mich daher als schamanisch Praktizierende bezeichnen. Wenn ich an anderen arbeite, werde ich die Schamanin, die in mir wohnt.

Auch im Schamanismus gibt es besondere Feste und Gezeiten (siehe Artikel: Schamanische Feste). Sie sind mit der jeweiligen Jahreszeit symbolisch verknüpft. Dabei ist es eher so, dass diese Tage unterstützend wirken, um bestimmte Rituale durchzuführen oder eine besondere Verbindung herzustellen. Es ist sinnvoll, diese Momente zu nutzen, aber kein Muss.

Manches, was ich bisher erfahren habe, war nicht meins und ich habe es im Laufe der Zeit vergessen. Manches habe ich behalten und es im Laufe der Zeit in mir verwurzelt, das heißt, dass die Methode im Kern die ist, die ich gelernt habe, aber ich praktiziere sie mit meiner mir innewohnenden Qualität.

Ich bin stark verbunden mit dem devischen Reich aus Baumgeistern, Feen, Schwänen, Drachen und Einhörnern. Sprich verwurzelt im sogenannten keltischen Schamanismus.

Ich nutze Obertongesänge zur Heilung, wie es die Mongolen und sibirischen Schamanen tun.

Bevor ich 2009 das erste Mal nach Chile zu den Machi-Schamaninen flog habe ich in Mapuche „ai auka“ geträumt, was soviel bedeutet wie: Ich bin eine wilde Frau. Diese Sprache ist nicht niedergeschrieben. Ich kann es also nirgendwo gelesen haben. In diesem Traum kam „ai auka“ als ein Lied zu mir, in dem ich zusammen mit anderen Frauen die Flüsse, Winde und Steine bewegte. Es ist zu mir gekommen. So fühle ich mich mit den „Wilden Frauen“ aus Chile verbunden.

Ich besitze auch nach fast 20 Jahren gelebtem Schamanismus nur wenige Schamanische Gegenstände: meine erste Trommel und eine Rassel mit Jamaikapalmen, habe ich bei ebay ersteigert. Ich habe es nie angestrebt, schamanische Gegenstände aus verschiedenen Kulturen zu sammeln, um irgendwie schamanischer zu sein. Seit 2009 besitze ich eine Kultrun, die Trommel der Machi, und bin damit wohl die erste Kultrun-Trägerin in Europa. 2015 habe ich meinen spirituellen Namen als Kultrun-Trägerin bekommen. Sie ist meine heilige Trommel, die ich ausschließlich in Heilzeremonien benutze.

Meine Schutzpatronin ist Maria, die Mutter Gottes. Ihre Gnade hilft u.a., Flüche zu lösen. Sie rufe ich, um mir selbst wie auch anderen zu helfen. Obwohl in München geboren und aufgewachsen bin nicht katholisch erzogen. Trotzdem war sie seit meiner Kindheit bei mir.

Dieser Artikel erhebt nicht den Anspruch, den Schamanismus zu erklären. Vielleicht aber dient es dem Ein oder Anderen als Einführung oder auch kleine Hilfestellung, sich im Dschungel der geistigen Heiler zurechtzufinden. In meinem Artikel zu Heiler, Lehrer und Schamanen gebe ich konkrete Empfehlungen und weiterführende Links. Wer noch mehr wissen möchte, woran und wie ich arbeite, klickt bitte auf den Link „Über mich“

 

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